Skip to content
Nährstoffverluste bei Lebensmitteln – Ursachen, Einflussfaktoren und Minimierung beim Kochen

Nährstoffverluste bei Lebensmitteln – Ursachen, Einflussfaktoren und Minimierung beim Kochen

By Martin Artur Gayer

Einleitung – Wie wichtig Nährstoffe für unsere Ernährung sind

Nährstoffe sind Stoffe in unserer Nahrung, die für Wachstum, Entwicklung und Gesundheit zwingend erforderlich sind. Dazu gehören Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Proteine, Fette und Kohlenhydrate. Werden Lebensmittel zubereitet, verändert sich oftmals nicht nur die Struktur des Essens, sondern auch der Gehalt bestimmter wertvoller Inhaltsstoffe. Dabei gehen beim Kochen, Backen, Braten, Dünsten und sogar beim Lagern teilweise essentielle Nährstoffe verloren – vor allem hitze- oder wasserempfindliche Vitamine. Jedoch bedeutet dies nicht, dass gekochte Nahrung „kraftlos“ wäre. Vielmehr hängt der Verlust von vielen Faktoren ab, und mit dem richtigen Wissen lassen sich diese Verluste gezielt minimieren.

Was sind Nährstoffverluste und wie entstehen sie?

Unter Nährstoffverlust versteht man den Abbau oder die Verringerung essentieller Nährstoffe während der Verarbeitung, Zubereitung oder Lagerung von Lebensmitteln. Die Ursachen hierfür sind vielfältig:

  • Hitzeeinwirkung: Viele Vitamine sind hitzeempfindlich, sodass hohe Temperaturen zum Abbau führen können.
  • Wasserlöslichkeit: Wasserlösliche Vitamine wie Vitamin C und B-Vitamine können beim Kochen ins Wasser übergehen und gehen dann verloren, wenn das Kochwasser verworfen wird.
  • Licht und Sauerstoff: Einige Nährstoffe oxidieren oder zersetzen sich unter Lichteinfluss oder wenn sie mit Luftsauerstoff in Kontakt kommen.
  • Lagerung: Schon vor dem Kochen können relevante Verluste auftreten – z. B. durch lange Lagerzeit oder falsche Temperatur.

Bei genauer Betrachtung wird klar: Nicht alle Nährstoffe reagieren gleich auf äußere Einflüsse. Während einige stark empfindlich sind, bleiben andere relativ stabil.

Hitze- und wasserempfindliche Vitamine

Bestimmte Vitamine sind besonders empfindlich gegenüber Erhitzung und Wasser:

  • Vitamin C: Dieses wasserlösliche Vitamin ist extrem hitze- und sauerstoffempfindlich. Bei langem Kochen können bis zu 50 % oder mehr verloren gehen, besonders wenn das Kochwasser später weggegossen wird.
  • B-Vitamine: Die Vitamine der B-Gruppe (z. B. Thiamin, Niacin, Folsäure) sind nicht nur hitzeempfindlich, sondern auch wasserlöslich. Teile davon gehen bereits beim Kochen, Blanchieren oder Dampfgaren verloren.

Dass diese Stoffe teilweise „vernichtet“ werden, ist ein häufiger Mythos, der sachlich nicht korrekt ist. Stattdessen werden sie teilweise umgewandelt oder ins Kochwasser ausgelaugt. Wer das Kochwasser weiterverwendet – etwa in Suppen oder Eintöpfen – kann viele dieser Stoffe weiterhin aufnehmen.

Fettlösliche Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe

Nicht alle Vitamine reagieren gleich: Fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K sind vergleichsweise robust gegen Hitze und Wasser, da sie nicht in Wasser löslich sind. Dennoch können sie durch längeres Erhitzen oder Kontakt mit Luftsauerstoff teilweise abgebaut werden.

Auch sekundäre Pflanzenstoffe – darunter Antioxidantien, Flavonoide, Anthocyane und Glucosinolate – sind oft empfindlich gegenüber Hitze und Luft. Sie können bis zu 50 % oder mehr verlieren, besonders bei langem Kochen oder der Zubereitung in großen Wassermengen.

Einfluss der Zubereitungsmethode auf den Nährstoffgehalt

Die Art der Zubereitung hat einen großen Einfluss auf den verbleibenden Nährstoffgehalt:

  • Kochen: Durch langes Eintauchen in Wasser kann es zu erheblichen Verlusten von wasserlöslichen Vitaminen und Mineralstoffen kommen.
  • Dämpfen: Diese Methode gilt als schonender, da Lebensmittel nicht im Wasser liegen und somit weniger Vitamine ins Wasser übergehen.
  • Kurzzeitige Methoden: Schnelles Braten, Pfannenrühren oder Mikrowellenverfahren können die Nährstoffverluste reduzieren, da die Zeit und der Kontakt mit Wasser geringer sind.
  • Sous-Vide (Vakuumgaren): Diese Niedrigtemperatur-Methode kann besonders gut hitzeempfindliche Vitamine schützen, indem Lebensmittel vakuumiert in einem Wasserbad gegart werden.

Allgemein gilt: Je kürzer die Garzeit und je weniger Wasser verwendet wird, desto mehr Nährstoffe bleiben erhalten.

Mineralstoffe und Spurenelemente: Stabil, aber auswaschbar

Im Gegensatz zu Vitaminen sind Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Eisen oder Magnesium chemisch hitzestabil und werden nicht zerstört. Sie können jedoch beim Kochen in Wasser übergehen und verloren gehen, wenn dieses Wasser später verworfen wird. Beispielsweise zeigt sich beim Kochen von Spinat, dass ein erheblicher Teil des Kaliums ins Wasser übergeht. Werden die Lebensmittel gedämpft oder in kleinen Wassermengen gekocht, fallen diese Verluste deutlich geringer aus.

Lagerung, Vorbereitung und andere Einflussfaktoren

Bereits vor dem Kochen können Nährstoffe verloren gehen:

  • Lange Lagerzeit: Vitamin C kann beispielsweise bei Lagerung über Tage oder Wochen deutlich reduziert werden.
  • Zerkleinern und Schälen: Schneidet man Lebensmittel vor dem Kochen auf oder schält sie, kommt mehr Oberfläche mit Luft in Kontakt – was den Abbau von luft- oder lichtempfindlichen Nährstoffen beschleunigen kann.
  • Licht und Sauerstoff: Einige Stoffe oxidieren schneller, wenn sie länger Licht oder Luft ausgesetzt sind.

Praxisregeln zur Minimierung von Nährstoffverlusten

Wer den Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen in Lebensmitteln erhalten möchte, kann einfache Regeln beachten:

  1. Kurz garen, wenig Wasser nutzen: Dämpfen, Dünsten oder Mikrowelle statt langem Kochen bevorzugen.
  2. Kochwasser weiterverwenden: Suppen, Fonds oder Saucen binden die ausgelaugten Nährstoffe.
  3. Erst nach dem Garen schälen oder schneiden: So wird der Kontakt empfindlicher Stoffe mit Luft und Licht reduziert.
  4. Frisch zubereiten: Rohkost oder schnell zubereitete Gerichte liefern oft mehr Vitamine als lange gegartes Essen.
  5. Niedrigtemperaturmethoden nutzen: Sous-Vide oder schonendes Garen kann empfindliche Nährstoffe besser bewahren.

Mythen rund um Nährstoffverluste im Alltag

Ein verbreiteter Irrtum lautet: „Kochen zerstört alle Vitamine.“ Diese Behauptung ist wissenschaftlich nicht korrekt. Zwar kann beim Kochen ein Teil der Vitamine abgebaut werden, doch handelt es sich meist um Teilverluste, nicht um eine vollständige Vernichtung. Zudem hängt der Verlust maßgeblich von der Methode und Zubereitungsweise ab. Durch kluge Küchenpraxis lässt sich ein großer Teil der wertvollen Nährstoffe erhalten.

Fazit – Bewusst essen, bewusst zubereiten

Nährstoffverluste sind ein natürlicher Begleiter der Lebensmittelverarbeitung, doch sie sind weder vollständig vermeidbar noch zwangsläufig dramatisch. Viele essentielle Inhaltsstoffe bleiben auch nach dem Garen erhalten, wenn man auf schonende Zubereitung, kurze Garzeiten und die Weiterverwendung von Kochwasser achtet. Insgesamt zählt eine abwechslungsreiche, frische Ernährung mit schonender Zubereitung zu den besten Strategien, um den Nährstoffgehalt von Lebensmitteln für Gesundheit und Wohlbefinden zu optimieren.

Previous
Next

Leave a comment